Neon, Projektion und Schwarzlicht: EVI LICHTUNGEN-Programm präsentiert vielfältige Variationen von Lichtkunst

Die Stadt Hildesheim wird vom 23. bis 26. Januar 2020 Treffpunkt der internationalen Lichtkunstszene. Aus elf Ländern weltweit reisen Künstler_innen zur Licht Kunst Biennale in die niedersächsische Stadt und präsentieren ihre Arbeiten im urbanen Raum. Von Projektion über Schwarzlicht bis zu Neon – die Genres der Lichtkunst zeigen sich unter dem Motto „Sharing Heritage“ (Teilhabe am Kultur-Erbe) und „Sharing Contemporary Spaces“ (Teilhabe an zeitgenössischen Räumen) in beeindruckender Form. Veranstalter der EVI Lichtungen ist der eingetragene Verein Internationale Kunstprojekte Hildesheim, Organisation und Durchführung liegen in den Händen der Hildesheim Marketing GmbH.

Für Initiator Klaus Wilhelm zeugt die diesjährige Künstlerauswahl von einer hohen Qualität: „Alle Künstler_innen, die wir eingeladen haben, waren direkt interessiert und bereit, sich auf die Orte, an denen sie ausstellen, einzulassen. Sie haben bestehende Arbeiten entsprechend angepasst oder speziell für Hildesheim neue Werke entwickelt. Die Orte, die wir dabei in den Fokus nehmen, sind Orte, die Geschichte atmen oder auch Knotenpunkte in der heutigen Stadt. Die Bandbreite reicht von Kirche, Bankgebäude bis zu Parklandschaft und Straßentunnel.“ Co-Kuratorin Alice Hinrichs ergänzt: „Die Künstler_innen präsentieren ein vielfältiges Repertoire an Lichtmedien. Es wird spannende Arbeiten mit Skulpturen, Projektionen und Performances geben. Die Installationen und Inszenierungen haben dabei einen klaren Interventionscharakter und werden sicherlich Diskussionen anregen. Wir sind auf die Realisierung der Konzepte unserer international agierenden Künstler_innen sehr gespannt.“ EVI LICHTUNGEN-Gäste können sich also auf ein vielfältiges Programm während der viertägigen Licht Kunst Biennale im Januar 2020 freuen:

Die französische Multimediakünstlerin Nathalie Junod Ponsard erleuchtet mit ihrer Arbeit „A Circular Wandering“ die Fassade des Hildesheimer Landgerichts. Die Umsetzung erfolgt mit einer Kombination aus programmierten Farbverläufen und Schattenspielen. Das von ihr transformierte Gebäude wird zu einem mehrfarbigen Portal für die EVI LICHTUNGEN an einem der Hauptverkehrsknotenpunkte der Stadt und ist auch für Autofahrer_innen, die nach Hildesheim kommen, gut sichtbar.

Das Werk „ECHO“ ist eine audiovisuelle Zusammenarbeit zwischen zwei niederländischen Künstlern: dem bildenden Künstler Jaap van den Elzen und dem Musikkomponisten Augusto Meijer. „ECHO“ untersucht die räumlichen und architektonischen Qualitäten der St. Andreas Kirche durch ein synergetisches Erlebnis von Klang und Licht.

Der britisch-deutsche Künstler Sebastian Kite verwandelt das zentrale Atrium der Glashalle der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine in der Speicherstraße mit seinem Werk „Inner, Outer, Other“ in ein jenseitiges Erlebnis: In der Mitte des Atriums taucht eine kreisförmige Scheibe aus hellweißem Licht auf. Das Licht wird von einer flachen schwarzen Wasserebene umhüllt, die das Innere reflektiert und den Raum verdoppelt. Das Publikum kann frei auf der Wasseroberfläche herumlaufen und damit das Erscheinungsbild beeinflussen.

In seiner ortsspezifischen Installation „Widerstandsmoment“ für die Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen unternimmt Hinrich Gross den Versuch, die Oberflächen des 70er-Jahre-Baus zu verformen oder visuell zu durchbrechen. Dabei setzt ihm die Gebäudegeometrie ihr Widerstandsmoment – ein Begriff aus der Festigkeitslehre – entgegen. Irritierend schieben sich dabei Realitäten verschiedener Layer übereinander.

Die südkoreanische Künstlerin Jeongmoon Choi erleuchtet mit ihrer Installation „Drawing in Space“ die Dunkelheit des Kirchturmzimmers in der St.-Andreas-Kirche mit einer komplexen geometrischen Anordnung aus fluoreszierenden Fäden. Durch die Bewegungen der Besucher_innen scheint der Raum zu vibrieren.

Die Arbeit „IMMER & EWIG“ von Hartung und Trenz arbeitet mit der Architektur des Literaturhauses St. Jakobi und lässt Textzeilen mit Doppelbegriffen des alltäglichen Lebens, bestehend aus über 2000 Wörtern, in einer kontinuierlichen Bewegung durch das Gebäude wandern. Dabei enthalten sind sowohl Gegensätze, Verdoppelungen sowie Komplemente aus Dingen oder Personen.

Hartung und Trenz_Lichtbeugung_Luminale 2016_Ffm_© Detlef Hartung

Hartung und Trenz_Lichtbeugung_Luminale 2016_Ffm_© Detlef Hartung

Mit der Installation „Urban Vacillation“ verwandelt die Künstlerin Neža Jurman den Garten der St. Godehard Kirche in ein interaktives audiovisuelles Erlebnis. Schallinduzierende Metallfedern, die an verschiedenen Bäumen hängen, und Bewegungssensoren, die Lichteffekte auslösen, erzeugen ein Zusammenspiel von Zufallsreflexionen, ein interaktives Lichtmikroleben.

Der britische Künstler Nathaniel Rackowe illuminiert den Hohen Wall mit seinem Werk „Square Prism“ – einer zeitgebundenen, sequenzierten Installation, die speziell für den einzigartigen Aussichtspunkt in Hildesheim konzipiert wurde. Leuchtende Lichtlinien werden dabei abwechselnd illuminiert, bis das Werk zum Schluss der Sequenz einen Würfel, ein quadratisches Lichtprisma, bildet.

Verspiegelte Edelstahlplatten auf dem Boden über der Gruft der Annenkapelle im Dom-Kreuzgang bilden die Basis für die fluoreszierenden Strukturen der von der Künstlerin Tatjana Busch erschaffenen Installation „Frequencies“. Sowohl die gotischen Kappellenfenster, die Architektur als auch die Objekte spiegeln sich im Boden.

Auf dem Hindenburgplatz steigt ein leuchtender Zylinder von der polnischen Künstlerin Karolina Halatek empor. Die Besuchenden können das aus Nebel und weißem Licht bestehende Werk „Beacon“ betreten. Die Außenwelt wird dabei ausgeschlossen und die Wahrnehmung durch die unbekannte Sichtsituation herausgefordert.

Das Duo um die Multimediakünstler Martin Mayer und Quirin Empl bespielt in ihrer Installation „o.T. (architectural space intervention)“ mit beidseitiger Projektion den Neubau des Dommuseums und den darin enthaltenen Domlettner. Die markantesten Linien der bild- und ornamentreichen Fassade werden mit einer Tiefenkamera aufgenommen und mittels einer eigens entwickelten Software von den Künstlern mit Licht nachgezeichnet. Darüber hinaus werden die Formen auf die Außenseite des Gebäudes projiziert.

Katja Heitmanns audiovisuelle Installation „For iTernity“ basiert auf dem berühmten Ballettsolo „The Dying Swan“. Das Besondere dabei ist, dass es keine physischen Tänzer_innen gibt, sondern einen in die „Cloud“ hochgeladenen Schwan. Die Besucher_innen können mit semitransparenten Bildschirmen versuchen, gemeinsam den Tanz des ewig sterbenden Schwans einzufangen.

Im Bernwardstollen setzt sich die Installation „Inversion“ von Jaqueline Hen mit der Vorstellung des Zusammentreffens zweier Dimensionen auseinander. Der Stollen wird zu einem Raum des Überganges, einer Art Passage, durch den sich eine andere Dimension in unsere Wirklichkeit stülpt. Hen wurde 2019 vom Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna zur Gewinnerin des International Light Art Award gekürt.

Interaktiv wird es beim „Dancing House“ von Klaus Obermaier auf dem Domhof. Das Projection-Mapping des österreichischen Medienkünstlers wird erst durch die aktive Teilnahme der Besucher_innen lebendig. Durch Bewegungen der Akteur_innen wird das Gebäude der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz zum Tanzen gebracht.

Wolfgang Jeske ist ein in Hannover lebender Installationskünstler und Bildhauer, der im Ernst-Ehrlicher-Park gleich zwei Arbeiten präsentiert. Mit „Refugium“ scheint ein Dorf aus Licht über einem Teich in der abendlichen Parklandschaft zu schweben. Ein fragiles Ensemble von Lichthäusern wird dafür über das Gewässer gespannt. „Die Spitze des Eisbergs“ fragt nach dem Grad der menschlichen Wahrnehmung und wird durch eine schwimmende Lichtinsel innerhalb des städtischen Parks visualisiert.

Mit der „Car Show“ wird ein Alltagsort zum Ausstellungsort. Die in Helsinki lebende Künstlerin Anne Roininen zeigt im Tunnel zur Nordstadt am Busbahnhof eine ortsspezifische Arbeit über das Zusammenspiel von Stadt, Ort und Autos. Umgestaltete Fahrzeuge werden zu einer künstlerischen Intervention. Während EVI LICHTUNGEN wird der Tunnel an fünf Tagen in den Abendstunden für den Auto- und Busverkehr gesperrt. Besucher_innen sind eingeladen, ihn zu Fuß zu erkunden.

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim (RPM) wird vom interdisziplinären Kollektiv STRAN 22 aus dem slowenischen Küstengebiet bespielt. Ein interaktives mechanisches Gerät erzeugt mit Seifenwasser zerbrechliche Membranen, die fast psychedelische Texturen von Farbe und Licht erzeugen: Das Projekt „Soap Opera“ ist eine buchstäbliche Darstellung des Eintauchens in eine gegebene Realität, in der scheinbar allgegenwärtige Strukturen im Nichts verschwinden.

Mittels leuchtender Glasröhren, reflektierenden Scheiben und metallischen Objekten wird Thorbjørn Lausten aus Dänemark mit seiner Arbeit „Structure“ in der Galerie im Stammelbachspeicher die Raumverhältnisse in vier Skulpturen visualisieren. Die experimentelle Anordnung der an Boden und Decken befestigten Neonröhren gibt die Charakteristika der Räume wieder und taucht sie in buntes Licht.

Der international führende Videokünstler Fabrizio Plessi aus Italien präsentiert in der Michaeliskirche seine Arbeit „Stanza del Mare“ zum ersten Mal seit 1993 wieder komplett der Öffentlichkeit. In der vorliegenden Arbeit verbindet Plessi Naturmaterialien mit technischen Geräten: Sie zeigt eine monumentale Skulptur bestehend aus zehn Eisenschränken. Die eingebauten Röhrenfernseher zeigen Videos von Meerwasser und Brandungswellen.

Weitere Arbeiten entstehen durch lokale Kooperationen mit dem Hildesheimer Kunstverein sowie dem Kunstraum 53. Im Zuge dessen wird unter anderem im Kehrwiederturm die Masterarbeit „beLichtungen“ von Frederik Preuschoft ausgestellt.

Vermittelndes Begleitprogramm zur Biennale

Zum Vermittlungsprogramm gehören thematische Streifzüge, an denen Interessierte teilnehmen können. Bei dem gemeinsamen Spaziergang mit einer Kunstvermittlerin oder einem Kunstvermittler durch die nächtliche Stadt kommt die Gruppe über ausgewählte Kunstwerke ins Gespräch. Kein Streifzug gleicht dabei dem anderen. Des Weiteren besteht eine Kooperation mit dem Gymnasium Himmelsthür: Schüler_innen setzen sich dabei in Workshops mit dem Thema Lichtkunst auseinander. Bei dem Audio-Projekt „Hildesheimer Hörspiel“ werden Interviews mit Hildesheimer Bürger_innen zu den bespielten Standorten der EVI LICHTUNGEN 2020 geführt. Die Beiträge sind über www.evilichtungen.de während des Festivals hörbar. Darüber hinaus wird in der Pop up-Kirche des ev.-luth. Kirchenkreises Sarstedt in der Schuhstraße 54 ein moderiertes Podiumsgespräch mit Künstler_innen der EVI LICHTUNGEN veranstaltet. Der Artist-Talk beginnt am 24. Januar um 18 Uhr und dreht sich um das Thema „Kunst in kirchlichen Räumen“. Der Pavillon des RPM wird vom Arbeitskreis Abrahams Runder Tisch passend zum Jahresthema „Licht in Heiligen Schriften“ am 25. Januar von 18 bis 23 Uhr illuminiert.

Unterstützung von Sponsoren und Förderern

Dass die Stadt erneut Schauplatz für zeitgenössische Lichtkunst wird, ist zahlreichen Sponsoren, Unterstützern und Förderern zu verdanken – allen voran der EVI Energieversorgung Hildesheim, die bereits zum dritten Mal als Titelsponsor den Grundstein der Biennale legt. Katrin Groß, Leiterin der Unternehmenskommunikation der EVI, sagt dazu: „Wir sind stolz darauf, dass durch unsere Energie die ganze Stadt illuminiert wird – und das auf einem äußerst hohen künstlerischen Niveau mit internationalen Größen der Lichtkunstszene. Außerdem möchten wir uns mit den EVI LICHTUNGEN bei unseren Kundinnen und Kunden für ihre Treue bedanken und ihnen die Möglichkeit geben, ganz besondere Momente zu erleben. Die EVI LICHTUNGEN sind für uns eine Herzensangelegenheit: In diesen Nächten entsteht in Hildesheim im öffentlichen Raum eine einzigartige Atmosphäre.“ Weitere zentrale Säulen der Finanzierung sind die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine als Premiumsponsor sowie die Friedrich Weinhagen Stiftung, die Stiftung Niedersachsen und die VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland. „In Hildesheim gelingen mit den EVI LICHTUNGEN ortsspezifische künstlerische Lichtinterventionen, die in jeder Hinsicht große Strahlkraft besitzen. Die eingeladenen Künstler_innen 2020 versprechen unkonventionelle und faszinierende Blicke auf die Stadt und die hiesigen Weltkulturerbestätten“, so Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, stellvertretend für die fördernden Stiftungen.

Das EVI LICHTUNGEN-Festivalbüro wird im Januar durch das Organisationsteam bezogen und befindet sich in der Andreaspassage.

Künstler_innen

Fabrizio Plessi (ITA), Jeongmoon Choi (KOR), Jaap van den Elzen & Augusto Meijer (NLD), Nathaniel Rackowe (GBR), Thorbjørn Lausten (DNK), Hinrich Gross (DEU), Sebastian Kite (GBR), Tatjana Busch (DEU), Nathalie Junod Ponsard (FRA), Klaus Obermaier (AUT), Anne Roininen (FIN), Hartung & Trenz (DEU), Wolfgang Jeske (DEU), Karolina Halatek (PL), mayer+empl (DEU), Jacqueline Hen (DEU), Katja Heitmann (DEU), STRAN 22 (SVN), Neža Jurman (SVN)

Kuration

EVI LICHTUNGEN 2020 werden von Initiator und Projektleiter Klaus Wilhelm und Alice Hinrichs (Gründerin der Lichtkunstplattform L.U.C.E.) kuratiert.

 

Sponsoren, Förderer und Unterstützer

Titelsponsor von EVI LICHTUNGEN – Internationale Licht Kunst Biennale Hildesheim ist die EVI Energieversorgung Hildesheim GmbH & Co. KG. Premiumsponsor ist die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine. Sponsor sind die Stammelbach Bau & Wohnwelten, Karl Krüger GmbH & Co. KG, die BWV Beamten-Wohnungs-Verein zu Hildesheim eG und die Gebrüder Gerstenberg GmbH & Co. KG. Förderer sind die Friedrich Weinhagen Stiftung, die Stiftung Niedersachsen, die VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland mit der Volksbank eG Hildesheim-Lehrte-Pattensen, der Landschaftsverband Hildesheim e.V., die Stadt Hildesheim und der Hildesheimer Dombauverein. Das Vermittlungsprogramm wird von der VGH-Stiftung und der Bürgerstiftung Hildesheim gefördert. Die Biennale wird außerdem von dem Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) und der Saba Park Deutschland GmbH unterstützt.

Besucherinformationen

Ausstellungszeitraum: 23. bis 26. Januar 2020 | 18 bis 23 Uhr

Thematischen Streifzüge:  23. bis 26. Januar 2020 | jeweils um 18, 19, 20 und 21 Uhr

Dauer: ca. 75 Minuten. Treffpunkt ist vor dem Besucherzentrum Welterbe & tourist-information Hildesheim am Marktplatz. Tickets können für 5 Euro in der tourist-information erworben werden.

Es werden außerdem spezielle Streifzüge für Familien mit Kindern angeboten, bei denen spielerisch erkundet wird, wie Licht den öffentlichen Raum bestimmt. Die Streifzüge finden Freitag, Samstag und Sonntag jeweils um 18 Uhr statt und sind kostenfrei.

Der Zugang zu den Kunstwerken ist kostenlos. Kurz vor der Licht Kunst Biennale wird ein Programmheft mit einer Übersichtskarte und Erläuterungen zu Künstler_innen und Kunstwerken erscheinen.

Hildesheim Marketing GmbH

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s