Meldung von der Markusgemeinde: Projekt Markusschwester

222 Geldgeber für einmaliges Zukunftsprojekt gesucht

Kirchengemeinde will ihre Markusschwester zurückgewinnen / Verabschiedung am 9. November

Die Aufbauarbeit ist getan, jetzt könnte es richtig losgehen in der Markusgemeinde, findet Ursel Scholz. Aber das Projekt läuft aus, ihre Zeit als Markusschwester geht zu Ende. Am Sonntag, 9. November, um 10 Uhr wird sie in einem Gottesdienst in der Markuskirche als Mitarbeiterin verabschiedet. Was sie in zweieinhalb Jahren in der Gemeinde und für das Steinbergviertel angestoßen hat, muss mit Hilfe von Ehrenamtlichen weiterbestehen oder wird wieder einschlafen. Damit das nicht passiert, sucht der Kirchenvorstand der Markusgemeinde Förderer für eine Fortsetzung des Projektes „Markusschwester“.

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Die Nachbarschaftshilfe in der Markusgemeinde ist noch immer eine Baustelle, sagt das Schild. Weil Ursel Scholz das weiß, möchte sie ihre Baustelle auch nicht im Stich lassen. Foto: Barth

Anfangs hat Ursel Scholz diese Bezeichnung gar nicht gefallen, sie erschien der Diakonin etwas altertümlich und angestaubt und für ihren neuen Ansatz unpassend. „Aber inzwischen bin ich richtig stolz darauf, die Markusschwester zu sein. Eigentlich könnte jede Gemeinde so eine ,Schwester‘ gebrauchen“, sagt Ursel Scholz. Und deshalb will die Markusgemeinde diese Errungenschaft auch nicht verlieren. Nach einem Jahr, so hofft Pastorin Garhammer-Paul, könnten die notwendigen Förderer gefunden sein, die Stelle wieder zu beleben. Die Zeit bis dahin muss die Gemeinde mit eigenen Kräften überbrücken.

Für die Fortsetzung des Projektes hofft die Gemeinde nun auf eine Mix-Finanzierung aus verschiedenen Fördertöpfen. Schließlich hat die Markusschwester nicht nur Gemeindemitglieder erreicht. Vielmehr sind im Sinne der Gemeinwesenarbeit ausdrücklich alle Menschen aus der Nachbarschaft angesprochen: „Unser Prinzip ist Respekt vor dem Glaubensleben anderer, ohne den eigenen Glauben zu verstecken“, erläutert Pastorin Garhammer-Paul.

Gemeinsam plant die Kirchengemeinde eine Reihe von monatlichen Benefizveranstaltungen, um Spender zu gewinnen. Den Anfang machen am 24. Januar Albrecht und Kerstine Westphal mit einer Lesung von Texten von Matthias Claudius. Die Gemeinde wünscht sich 222 private Geldgeber, die bereit sind, dreieinhalb Jahre lang zehn Euro im Monat zu spenden. Einige haben sich schon gemeldet.

„Es war eine tolle Zeit, die ich hier sein durfte, sagt Ursel Scholz. Im Mai 2012 übernahm sie die Aufgabe als Nachfolgerin von Susanna Tjardes. Während diese aber nur eine halbe Stelle innehatte, konnte Ursel Scholz eine volle Stelle antreten, je zur Hälfte gefördert von der Arbeitsagentur und durch den Innovationsfond der evangelischen Landeskirche Hannover. Das gab ihr Freiraum, neue Akzente zu setzen, mit dem Schwerpunkt auf der Seniorenarbeit.

Kaum im Amt, führte Ursel Scholz das Mahl bei Markus ein. Jeden Dienstag gibt es seither im Gemeindehaus ein gemeinsames Mittagessen, bei dem jeder willkommen ist. So brauchen Alleinstehende nicht allein zu Hause vor ihrem Teller zu sitzen, werden neue Bekanntschaften ganz zwanglos geknüpft. Etwa 20 bis 30 Gäste kommen jede Woche zum Mittagsmahl: „Das boomt zurzeit richtig“, freut sich die Markusschwester.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit in zweieinhalb Jahren war der Aufbau einer Nachbarschaftshilfe. 15 Patenschaften seien daraus entstanden, freut sich Ursel Scholz: Feste Beziehungen zwischen Menschen, die Hilfe gebrauchen können, und Menschen, die Hilfe anbieten. Mit Besuchen, Gesellschaft, gemeinsamen Spaziergängen oder Einkäufen. Diese Verbindungen, so ist Ursel Scholz sicher, werden auch ohne sie Bestand haben. Doch darüber hinaus gibt es etwa 30 Hilfsbereite, die von Fall zu Fall an Hilfsbedürftige vermittelt werden könnten. Das erfordert ständige Koordination. Und weil Ursel Scholz die „Nachbarn bei Markus“ am Herzen liegen, wird sie diese Aufgabe in Zukunft ehrenamtlich weiterführen, in der Hoffnung, in einem Jahr wieder als Markusschwester daran anknüpfen zu können.

Besonders wichtig waren ihr während der vergangenen Jahre immer die persönlichen Besuche bei Senioren: „Das ist das Herzstück meiner Arbeit“, sagt die Diakonin. „Aber das fällt jetzt weg.“ Vor allem ging es ihr darum, Menschen aus der Vereinsamung zu holen, Gesellschaft zu leisten und zuzuhören. Sie gab aber auch praktischen Rat, ermutigte zum Besuch des Mittagsmahls und vermittelte Hilfen aus der Nachbarschaft. Das brauche oft Zeit, weiß die Markusschwester, die zuvor auch schon in der Nordstadt eine Nachbarschaftshilfe aufgebaut hatte: „Es ist schwer, sich helfen zu lassen.“

Wer Interesse hat, als SpenderIn an dem Projekt teilzunehmen, kann sich an die Markusgemeinde wenden, Pastorin Anke Garhammer-Paul, Email: KG.Markus. Hildesheim@evlka.de oder Tel. 05121/43972.

Wiebke Barth

Einweihung der Gedenktafel für Dr. Cohn in der Bergstraße

Heute wurde in einer kleinen Feierstunde die Gedenktafel für Dr. Cohn am Haus der Bergstraße 1 eingeweiht. Auf Initiative der ehemaligen Berthold-Mehm-Stiftung und des Vereins Kultur und Geschichte vom Berge e.V. konnte dieses Memorial verwirklicht werden. Zur Einweihung waren Hildesheims Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer, Ortsbürgermeister Erhard Paasch, Dr. Yakov Yosef Harety (Rabbiner der Orthodoxen Jüdischen Gemeinde zu Wolfsburg e.V.), Dr. Stefan Bölke (Kultur und Geschichte vom Berge e.V.) sowie Berthold Mehm und Herr Rieger von der ehemaligen Berthold-Mehm-Stiftung zugegen. Für die musikalische Begleitung sorgte Karl Koch.

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Dr. Cohn lebte und praktizierte für viele Jahre in dem Haus der Bergstraße 1. Er war sehr beliebt und ist heute noch vielen älteren MoritzbergerInnen in guter Erinnerung geblieben. 1938 wurde er denunzierten und kam ins Gefängnis. Er wurde jedoch relativ schnell wieder entlassen. 1939 verschwand Dr. Cohn, wie und wohin, dazu gibt es unterschiedliche Geschichten. (Mehr dazu in: Vom Bergdorf zum Stadtteil Herausgeberin Sabine Brand Moritzberg Verlag 2011)

Mehr zur Feierstunde und das Leben von Dr. Cohn im nächsten Moritz vom Berge.

An dieser Stelle noch ein kleiner Exkurs zum Thema Erinnern:

Warum ist das Erinnern so wichtig? Warum stellen wir so Gedenktafeln auf?

Ich wurde oft während meines Geschichtsstudiums gefragt, warum ich gerade Geschichte studiere, das wäre heutzutage doch gar nicht mehr wichtig. Irgendwann habe ich die perfekte Antwort auf diese Frage gefunden. Am Haus der Geschichte in Leipzig stand:

Warnung! Geschichte kann zu Einsichten führen und verursacht Bewusstsein

Dieser Satz sagt alles aus! Mit der Geschichte lässt sich die Gegenwart erklären. So wie jeder Mensch durch seine Erfahrungen geprägt wird, ist jedes Land durch seine Geschichte geprägt. Versteht man die Geschichte, versteht man auch die Gegenwart und kann für die Zukunft daraus lernen.

Die Verfolgung der Juden im Dritten Reich hatte seine Wurzeln in einem Hass, den sich die Juden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ausgesetzt sahen und der sich nicht nur auf Deutschland beschränkte. In Köln z.B. kam es im Jahre 1349 in der Bartholomäusnacht zu einem Pogrom, der als „Judenschlacht“ in die Stadtgeschichte einging. Die Kölner Bürger machten die Juden für den Ausbruch der Pest verantwortlich. 1424 wurden sie ganz aus der Stadt verbannt. Erst im 18. Jahrhundert durften sie sich wieder in der Stadt ansiedeln. In Spanien wurde 1492 das Alhambra-Edikt erlassen. Dieses ordnete die Vertreibung der Juden aus allen Territorien der spanischen Krone an, sofern sie bis dahin nicht zum Christentum übergetreten waren. Der Holocaust übertraf jedoch in seiner Grausamkeit all diese Ereignisse.

Mit dem Gedenken an die Opfer schaffen wir uns gleichzeitig ein Mahnmal für die Zukunft, dass so ein Grauen nicht wieder passieren darf.

Alles direkte Reaktion auf die schrecklichen Ereignisse im Zweiten Weltkrieg wurden 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkündet. Sie dient als Fundament zahlreicher internationaler und nationaler Übereinkommen, Verträge und Gesetze zum Schutz der Grundrechte. Heute, wo es an so vielen Ecken der Welt wieder kriegerische Auseinandersetzungen gibt, sollte sie Grundlage für das Handeln von uns allen sein.